Juneau

 Augenblick

 

Der Wind weht durch mein Haar.

Ich fühle mich so frei, wie schon lange nicht mehr. Ein unbeschreibliches Gefühl.

 

Für diesen kurzen Augenblick war ich schwere los. Losgelöst von all den Sorgen, von all den Ängsten, die mich in letzter Zeit plagten. Losgelöst vom eintönigem Alltag, der mir schon auf die Nerven ging. Losgelöst von all der Verantwortung, die man von mir erwartet.

 

Hier und jetzt war ich frei. Frei wie ein Vogel, der sich vom Wind treiben lässt ohne Ziel, einfach vor sich hin gleitet ohne einen einzigen Gedanken an die Zukunft zu hegen, ohne zu wissen was vor ihm liegt.

 

Endlich konnte ich tief durch atmen, zumindest dachte ich daran, denn dieser Augenblick war einfach viel zu kurz, um nur eine Sekunde lang etwas anderes zu tun als die Luft anzuhalten.

 

Und dennoch, es kam mir wie eine Ewigkeit vor, eine Ewigkeit, in der ich frei fallen konnte. Eine Ewigkeit, in der mein Herz zu rasen anfing, die in mir ein Glücksgefühl hervor rief, welches ich schon seit Jahren nicht mehr hatte, von dem ich nicht einmal mehr wusste, dass ich so etwas noch einmal spüren würde.

 

Ich schaute in das klare Blau unter mir. Die Hände nach vorne gestreckt, so als ob ich versuchen würde, diese wundervolle Schönheit von Farbe zu berühren. So als ob ich es nicht mehr erwarten könnte in sie ein zu tauchen und für immer von ihr verschlungen zu werden.

 

Meine Augen waren weit aufgerissen ohne das ich es gewollt hätte. Ohne dass ich irgendetwas bestimmtes anstarren wollen würde als das klare Blau unter mir. Doch vor meinem Auge war das Blau nicht zu sehen. Ich hätte sie vielleicht zu kneifen sollen, ja, aber es ging nicht. Dieses wunderbare Geschöpf vor mir raubte mir jeglichen Atem. Es zog mich vollkommen in seinen Bann. Nicht, dass es mir nicht gefallen hätte. Im Gegenteil, es war schön sein zauberhaftes Gesicht noch einmal zu sehen. Besonders dann, wenn man sich so frei fühlte, so dass all meine Liebe, all meine Gefühle zu ihm eben dieses Bild erschaffen hatten.

 

Ich wusste, er war nicht echt, er konnte einfach nicht echt sein. Nicht diese Gottesgestalt. Nicht jetzt. Doch nun konnte ich ihm Lebewohl sagen, denn ich wusste, was auf mich zu kam. So konnte er mich begleiten bis zu meinem Tod, ohne mir jemals nahe gewesen zu sein. Ohne zu wissen, dass ich gleich sterben würde.

 

Ich empfand nichts mehr. Nichts mehr ihm gegenüber, auch wenn sich ein Verlangen, ihn ein letztes Mal zu küssen, in mir breit machte. Nichts, dass mich hätte warnen müssen vor dem klaren Blau, vor diesem dunklem, fast schon anziehendem Blau, dass nur gierig darauf wartete, mich in die Tiefe zu ziehen. Ich brauchte nichts zu empfinden. Wozu auch? Ich war frei. Endlich frei. Ich gehörte ihm nicht mehr. Nie wieder. Es war ihm egal, was ich tat. Es war mir egal.

 

Es war ein wunderbarer freier Fall. Ein Fall, der mich das Leben kostete. Ein Fall, der mir endlich das gab, wonach ich mich so sehr sehnte. Nach Freiheit.

 

Dies alles streifte meine Gedanken in diesem kurzem Augenblick, in dem ich in der Luft verharrte, bis mich das tiefe dunkle Blau zu sich nahm.

 

Ein Augenblick, der niemals vergessen sein wird.

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